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Copyright liegt bei Daniela Lord, Gernsheim.
Diesen Brief habe ich geschrieben um Missverständnissen vorzubeugen.
Sie werden diesen Brief auf einigen Tagesmütterseiten im Netz finden da ich ihn auf Bitten meiner Kollegen/innen hin zur Verwendung unter Angabe der Quelle zur Verfügung gestellt habe.
Falls Sie diesen Brief (gedruckt oder auf Ihrer HP) verwenden möchten bitte ich Sie sich vorher kurz
mit mir in Verbindung zu setzen, vielen Dank.

Liebe Eltern!
Sie haben sich dazu entschlossen Ihr Kind in private Tagespflege zu geben.
Eine gute Entscheidung, denn in keiner vergleichbaren öffentlichen Einrichtung erfährt Ihr Kind so viel
Zuneigung und individuelle Betreuung und Förderung wie durch eine Tagesmutter.
Nachfolgend habe ich eine Menge über Dinge aufgeschrieben die immer wieder zu
Missverständnissen zwischen der Tagesmutter und den abgebenden Eltern führen. Ich hoffe so schon
im Vorfeld eines Betreuungsverhältnisses gewisse Unklarheiten aus dem Weg zu räumen bzw.
Vorzubeugen, dass erst gar kein Grund für Unstimmigkeiten aufkommen kann.

Natürlich ist in einer Tagespflegefamilie auch vieles anders als zu Hause oder in einer Kinderkrippe.
Eine Tagesmutter wird niemals ein Programm wie eine öffentliche Krabbelgruppe bieten. Die private
Tagespflege versteht sich als familienergänzendes Angebot für berufstätige Eltern oder solche, die
ihr Kind - aus welchen Gründen auch immer zeitweise fremd betreuen lassen möchten/müssen.
Es ist also meine oberste Priorität den Kindern einen Platz in unserer Familie zu geben an dem sie sich
wohl, behütet, geliebt, sicher und aufgehoben - ja vielleicht sogar heimisch fühlen. Das bedeutet,
dass die Kinder wie meine eigenen in der Familie am Alltag teilhaben.


Und zu einem normalen Familienalltag gehört neben dem gemeinsamen Spielen, Singen,
Basteln und Spazierengehen auch das Einkaufen gehen, Kochen, Wäsche waschen, Bügeln, Putzen,
aufräumen, Arztbesuche gemeinsam wahrzunehmen, usw. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich die
Kinder ins Spielzimmer einschließe, sich selbst überlasse und dann in Ruhe meinen Haushalt und
meine Besorgungen mache, sondern nur, dass neben dem Leben und Spielen mit den Kindern
auch die o.g. Dinge erledigt werden müssen. Die Kinder profitieren von diesem normalen
Familienleben und genießen die gemeinsamen Aktivitäten die trotz allem nicht zu kurz kommen.


Es kann nicht im Sinne einer normalen Erziehung sein, dass das Kind den ganzen Tag "bespielt" wird.
Für die Entwicklung der Kinder ist es wichtig Erfahrungen im Spiel selbst und ohne Hilfe und Vorgaben
zu sammeln was nicht heißt, dass die Tagesmutter nur als Wache bei den Kindern sitzt.
So kann es auch mal sein, dass wir aufgrund eines Ausfluges mittags ein schnelles Essen kochen
damit die Kleinsten trotz einem ausgiebigen Vormittagsprogramm noch rechtzeitig zu Ihrem
Mittagsschlaf kommen.


Eine Tagesmutter mit mehreren Kindern lebt wie eine Großfamilie. Und da geht nun mal nichts ohne
Planung und genaue Absprachen. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass die Eltern die Bring- und
Abholzeiten einhalten. Denn im Winter mit 4 angezogenen Kindern im Flur zu sitzen, die alle quengeln
weil es ihnen zu heiß wird, oder im Sommer im heißen Auto zu warten weil eine Mutter/ein Vater zu spät
kommt ist mindestens genauso anstrengend für alle wie die verfrühte Abholung eines Kindes mitten im
Spiel oder Mittagessen. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass den Müttern/Vätern auch einmal ein
Stau, ein längeres Warten beim Arzt o.ä. das pünktliche Erscheinen bei der Tagesmutter erschweren kann,
aber für diesen Fall gebe ich jeder Familie meine Visitenkarte mit auf der sämtliche Telefonnummern
stehen über die ich im Notfall zu erreichen bin. Ich bitte Sie zu bedenken, daß auch Sie auf eine zuverlässige
und pünktliche Betreuung angewiesen sind.


Schon einige Eltern haben mich gefragt wie ich auf die Höhe der monatlichen Beiträge komme und warum
nur ein Teil davon als Betreuungsgeld gilt, der Rest als sogenannte Betriebskostenpauschale und
Verpflegungsgeld ausgewiesen werden.
Nun, das ist ganz einfach. Der Betrag, den Sie monatlich für die Unterbringung ihres Kindes zahlen
ist nicht gleichzusetzen mit dem Verdienst der Tagesmutter.
Der Verdienst ist der Betreuungsgeldanteil.


Die Verpflegungspauschale wird für die Nahrungsmittel und Getränke aufgebraucht, die das Kind bei
der Tagespflegefamilie zu sich nimmt und mit der Betriebskostenpauschale werden die restlichen
Kosten finanziert. Dazu gehören u. a. Investitionen in Spielzeug, Bücher, Hochstühle, Kinderbetten,
Bettwäsche, Bettzeug, Matratzen, Autositze, Fahrradsitze, Kinderwagen, Buggys, Lätzchen, Geschirr,
Besteck, Bastelmaterial, usw. die alle einem wesentlich höheren Verschleiß unterliegen als in sogenannten
"normalen" Familien und deshalb wesentlich öfter erneuert, repariert oder gekauft werden müssen.
Durch die Anwesenheit von wesentlich mehr Kindern im Haushalt steigen natürlich auch die
Nebenkosten wie Strom, Wasser, Müllgebühren, Heizkosten, der Verbrauch an Putz- und Waschmitteln usw.
Die Tagesmutter stellt Pflegeprodukte wie Wickeltücher, Wundschutzcreme, Sonnenmilch, Toilettenpapier,
Taschentücher ect. auch das kostet Geld.


Nicht zuletzt die wichtigen und teilweise unumgänglichen Versicherungen der Tagesmutter, die ja nicht
angestellt sondern selbständig tätig ist müssen davon bezahlt werden. Dazu gehören eine Haftpflicht-,
eine Unfall-, eine Kranken- und eine Rechtschutzversicherung.
Seit neuestem müssen die Pflichtbeiträge an die BFA für die Rente getragen werden. Der Mindestbeitrag für
Tagespflegepersonen beträgt übrigens unabhängig vom Einkommen (d. h. auch wenn man nichts verdient)
78 € im Monat und steigert sich je nach Einkommen.
Auch Beiträge zu Berufsverbänden, Kosten für Fortbildungen (die in der Freizeit und somit als unbezahlte Zeit
gemacht werden und trotzdem wichtig sind und bei keiner Tagesmutter fehlen sollten) und Fachliteratur,
Werbekosten für freie Plätze ect. fallen an.
Das alles muss erst einmal verdient werden und nicht selten hat eine Tagesmutter wochen- bzw. Monatelang
freie Plätze und somit auch erhebliche Verdienstausfälle.


Eine Tagesmutter kann das alles nicht, wie eine normale Selbständige steuerlich absetzen. Ihr wird vom
Finanzamt eine sogenannte Betriebskostenpauschale vorgeschrieben die sich nicht an den tatsächlichen
Ausgaben orientiert, sondern im Jahre 1988 festgelegt wurde.
Das sind zum Beispiel bei einem Kind, das 5 Tage die Woche für jeweils mindestens 8 Stunden kommt gerade
mal 245.42 €. Das ist ein Maximalbetrag der sich nicht erhöhen lässt, egal ob die Tagesmutter höhere Ausgaben
hat oder nicht.

Deshalb nehmen die meisten Tagesmütter auch über das ganze Jahr eine festgelegte Pauschale
bei der Urlaubs-, Feier- und Krankheitstage durch bezahlt werden, denn die Nebenkosten müssen ja auch durchgängig bezahlt werden.
Manche Eltern beschweren sich darüber, wenn die Tagesmutter bezahlten Urlaub nimmt, meist mit dem Argument,
dass sie ja für diese Zeit eine Ersatzbetreuung brauchen.
Ich kann da nur anführen, dass jeder der arbeitet normalerweise bezahlten Urlaub nimmt und die Tagesmütter
geben ihren Urlaub ja auch immer so rechtzeitig bekannt, dass die Eltern ihren Urlaub damit abgleichen können und somit
keine Ersatzbetreuung anfällt.


Das Gleiche gilt für Krankheitstage auf beiden Seiten.
Die Tagesmutter hat sich die Zeit zur Betreuung des Kindes freigehalten und behält deshalb auch den Anspruch auf
die Beiträge. Auch wenn ein Kind früher abgeholt wird oder vorzeitig aus der Betreuung ausscheidet behält die Tagesmutter
den Anspruch auf Bezahlung während der Kündigungsfrist, da sie ja dem Kind auch den Platz reserviert hat bzw. willens
war das Kind bis zum ausgemachten Zeitpunkt zu betreuen und alle Termine darauf abgestimmt hat.


Wenn man nun die Kosten der Kinderbetreuung gegen die Arbeitszeiten der Tagesmutter aufwiegt wird man sehr schnell
feststellen, dass man durch den Beruf der Tagesmutter nicht reich werden kann.


Jetzt verstehen Sie vielleicht auch warum Ihre Tagesmutter Ihnen das Betreuungsgeld auf der Abrechnung einzeln aufführt und quittiert,
denn eigentlich ist nur das der wirkliche Verdienst von dem Sie allerdings in der Regel auch noch die Differenzen zwischen der
Betriebskostenpauschale und den tatsächlich entstehenden Aufwendungen zu decken hat.


Sie erhalten von mir zum Betreuungsjahresende eine Bescheinigung über die gezahlten Betreuungsgelder des vergangenen Jahres.
Diese legen Sie bitte bei Ihrem zuständigen Finanzamt vor und tragen bei den „Außergewöhnlichen Belastungen“ den Punkt Kinderbetreuungskosten durch Berufstätigkeit beider Elternteile den Gesamtbetrag ein. Das Finanzamt zieht dann pro Jahr einen Eigenanteil der Eltern von 1548,00 € ab und erkennt pro Jahr und Kind einen Höchstbetrag von 1500,00 Euro an.

Bei Babysitterverträgen gelten andere Kriterien. Als Babysitterkind gelten alle Kinder die nur unregelmäßig oder sehr wenige Stunden im Monat kommen und deren monatliches Betreuungsgeld (nicht der Gesamtbeitrag) unter dem vom Finanzamt geforderten Eigenaufwand von 129,00 € im Monat liegt.
Diese Kinder erhalten keinen Nachweis über gezahlte Betreuungsgelder für das Finanzamt, da Sie die Betreuungskosten nicht steuerlich geltend machen können.


Alles in allem ist es mir aber wichtig noch einmal zu betonen das ich meinen Beruf gerne und aus voller Überzeugung ausübe und zwar nicht aus Geldgründen oder weil ich "zu faul" bin arbeiten zu gehen sondern weil ich es gerne mache!


Ich hoffe und kämpfe auf und für Anerkennung meines Berufes bei Eltern, Kolleginnen, Politikern und allen Menschen damit meine Arbeit vielleicht irgendwann einmal anerkannt wird, denn leider haben meine Kolleginnen und ich die Erfahrung gemacht, dass jede Putzfrau anerkannter ist als wir, da sie nach der Meinung Vieler richtig arbeitet und wir nur ein bisschen mit den Kindern spielen... Oder wie sonst ist es zu verstehen, dass einer Putzfrau selbstverständlich 8 bis 12 € in der Stunde bezahlt werden, mit der Tagesmutter aber um jeden Cent gefeilscht wird oder über die Höhe der quittierten Kosten diskutiert wird.
Ich frage Sie, haben Sie schon mal eine Putzfrau erlebt, die Quittungen ausstellt? Und bei der ist das was sie erhält wirklich der Reingewinn, da Ihr die Arbeitsmaterialen gestellt werden. Ich möchte nicht die Putzfrauen abqualifizieren, doch ich denke, es ist ein gutes Vergleichsbeispiel zur Tagesmutter... Öfter schon kam mir der Gedanke ob den Menschen eine saubere Wohnung wichtiger ist und daher auch finanziell selbstverständlich besser honoriert als eine liebevolle und engagierte Betreuung und Förderung eines Kindes.


Ich hoffe, dass ich mich damit bei dem Großteil der abgebenden Eltern irre und denen, die bisher dem Irrglauben verfallen waren, dass eine Tagesmutter mit einem bisschen Spielen, Wickeln und Füttern bei den üblichen Betreuungssätzen reich wird einen Anstoß zum Nachdenken gegeben habe. Und die, die schon eine Tagesmutter haben und auch zufrieden ihre Arbeit honoriert haben zeigen nun sicherlich Verständnis dafür, dass eine private Betreuung in punkto Kosten nicht mit den billigeren (aber vielfach subventionierten) öffentlichen Einrichtungen konkurrieren kann.


Am Ende dieses Briefes ist es mir aber noch einmal besonders wichtig, nicht als Furie zu wirken, ich arbeite seit Jahren gerne und erfolgreich als Tagesmutter und habe bisher überwiegend gute Erfahrungen machen dürfen. Aber aus den wenigen negativen Erlebnissen und aus dem Austausch mit anderen Tagesmüttern sind mir einige Dinge klargeworden bei denen es wohl immer wieder zu Missverständnissen und Unstimmigkeiten kommen kann. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht und diesen offenen Brief verfasst um solchen Situationen aus dem Wege zu gehen.


Ich denke, dass wenn Sie mich kennen gelernt haben, Sie mich und meine Arbeit einzuschätzen wissen und keine Angst bekommen nur weil ich hier einmal deutlich auf den Punkt gebracht habe was zwischen vielen Eltern und Tagesmüttern unausgesprochen bleibt/geblieben ist. Nichts ist für alle Seiten wichtiger und befriedigender als ein harmonisches und entspanntes Verhältnis zwischen Eltern, Tageseltern und Kindern.


In diesem Sinne verbleibe ich mit den herzlichsten Grüssen und der Hoffnung auf ein langjähriges, erfolgreiches und für alle Seiten befriedigendes Betreuungsverhältnis.


Ihre (vielleicht zukünftige)
Tagesmutter
Brigitte Girgin


Geschrieben und Verfasst von Daniela Lord


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